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Leseprobe: Leibniz

In die Stille sagte Leibniz: "Die Suche nach Glück galt Pascal als Ursprung der menschlichen Unruhe. Er hielt sie für das unaufhebbare Bewegungsmoment der Geschichte. Was ihn vor der wachsenden menschlichen Selbstherrlichkeit schaudern ließ, war der inhumane Aspekt. Er kehrte sich von der dem Hochmut verfallenen Vernunft, der gesetzlos angewandten Wissenschaft ab in der Erkenntnis, es könnte eines Tages geschehen, dass wir die Objekte unseres Denkens nicht mehr zu bewältigen vermögen, daß sie über uns fortwuchern und wir das Verhältnis zu ihnen verlieren. Um abzuschließen: Pascal wollte uns begreiflich machen, daß das menschliche Herz Antworten verlangt, denen gegenüber sich die Wissenschaft als ohnmächtig erweist. In der Nacht seiner Erleuchtung hatte er den Weg des Mysteriums Christi gefunden - Barmherzigkeit, Liebe. Der handelnde, ins Leben eingreifende, den forschenden Geist in seinen Machtbereich hineinreißende Gott, der die Liebe ist und zugleich der Ursprung der Liebe, trug ihn aus der Bedrängnis, in der ungeheuren Weite der Schöpfung ohne Zuflucht zu sein, in die Freiheit. Ich danke es dem Herrn Herzog von Roannez, daß er mir beigebracht hat, in der Mathematik mehr zu sehen als ein Mittel, vor der eigenen Verwirrung und der Unsicherheit der Zeit zu fliehen."
Er vernahm das Geräusch sich zurechtrückender Körper. Und dachte: wie schwer ist es, sich verständlich zu machen.

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